30.08.2013 - 22.09.2013

Demolish this Structure
Kunstverein Duisburg

www.kunstverein-duisburg.de

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For sale
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Katharina Zanolari

In Max Schulzes künstlerischer Arbeit finden zwei grundlegend verschiedene Stil- und Bilderwelten zu einer eigenständigen Ausdrucksform, die konträrer kaum sein könnten. Auf der einen Seite stehen seine Arbeiten dem Informel nah und thematisieren den abstrakten Malprozess als solchen, auf der anderen Seite verarbeitet er in seinen Bildern die vereinfachende grafische Darstellungsformen des Comic und lässt in mehr oder weniger gegenständlichen Bildräumen Figuren zu Handlungen antreten, deren Grund oder Verlauf jedoch stets unkenntlich bleiben.

Mit verschiedenen experimentellen Methoden des Farbauftrags erforscht Schulze die Grenze zwischen Formauflösung und Formwerdung. Auf großen Formaten lässt er diffuse abstrakte Räumlichkeiten entstehen, in denen sich die unterschiedlichen Mal- und Bearbeitungsspuren überlagern. Den Moment des Zufalls, der beispielsweise durch den Einsatz eines mit Farbe gefüllten Feuerlöschers in die Bildstruktur eintritt, wird unterstrichen durch eine gestische Handhabung desselben. In unterschiedlicher Dichte und Farbigkeit entstehen so Farb-Nebel und -formen, die Schulze im weiteren Verlauf seiner Arbeit malerisch ausdifferenziert. Die gestische Bewegung wird von Schulze mit einem bewussten Moment der Exaktheit kontrastiert, welcher gleichzeitig die Spur im Bildraum entschleunigt. Es ist exakt dieser Moment, der Schulze fasziniert: Der Moment der Entscheidung, der damit einher- gehenden Markierung und Zeichensetzung innerhalb einer vielfältigen Umgebung.

2012 verbrachte er im Rahmen eines Stipendiums zwei Monate in Detroit, USA, der ehemaligen Vorzeigestadt des Industriezeitalters, die nach dem Zusammenbruch der Automobilindustrie zum Symbol für die sogenannten Shrinking Cities sowie die Krise in den USA geworden ist. In einer derart zusammengebrochenen Infrastruktur treten Momente individueller Markierung besonders deutlich zum Vorschein. Hier zeigen sich neben den Spuren mutwilliger Destruktion, wahlloser formaler Selbstverewigung und unbeholfener Momente der handwerklichen Ausbesserung auch eigenständige und sehr rudimentäre Formen der visuellen Kommunikation. Schulze transformiert diese Momente der Markierung, indem er sich zum einen ähnlicher Malmittel bedient und beispielsweise mit Farbrollen, Sprühdosen oder mit Farbe gefüllten Feuerlöschern arbeitet, andererseits aber ebenso die Motivik dieser anonymen Stadtzeichen aufgreift und in seine Bilder integriert. Die oft in den Signalfarben Gelb/Schwarz gehaltenen Bilder lassen so Assoziationen zu Absperrungen, Gefahrenschildern und Markierungen von Hindernissen und Gefahrenstellen zu.

Mit der Ausstellung „Demolish this structure“ im Kunstverein Duisburg zeigt Schulze Parallelen zwischen den Industriestädten Duisburg und Detroit auf, die von einer vergleichbaren Entwicklung geprägt sind. Er belässt es jedoch nicht bei einem sozialen Vergleich. Zwar transferiert er seine Detroit-Beobachtungen mittels einer Fotoserie, welche er während seines Stipendiums fertiggestellt hat, in den Ausstellungsraum, greift jedoch die spezifischen architektonischen Verhältnisse des Kunstverein Duisburg auf und bestimmt mit einem installativen Eingriff in die gegebene Raumsituation das Verhältnis zwischen Architektur und Bild neu. Unter zur Hilfenahme von Trockenbau-Elementen konstruiert Schulze eine eigene Ausstellungsarchitektur, welche die Achsen des ohnehin verbauten Raumes aufgreift und in ein begehbares Geflecht möglicher Raumteilungen verwandelt. Der Betrachter, der sich durch die Räume bewegt, erlebt die Bilder so nicht im üblichen Nebeneinander, sondern als eine komplexe Verschachteltung von Raum und Bild, die sich je nach Blickwinkel immer wieder neu formiert.

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